Sonntag, 5. Februar 2012

400 Euro-Jobs Wenig Aufwand, hoher Nutzen

400 Euro-Jobs Wenig Aufwand, hoher Nutzen

Minijobber erwerben nur geringe Rentenanwartschaften. Mit einem monatlichen Rentenbeitrag von 18,40 Euro verbessern sie ihre Versorgung und sichern sich die Riester-Zulagen. Die Riester-Förderquoten sind für sie besonders attraktiv.

Verdient ein Minijobber nicht mehr als monatlich 400 Euro, bezahlt sein Arbeitgeber lediglich eine Pauschale für Sozialversicherung und Steuern. Der Minijobber hat selbst keine eigenen Aufwendungen; er ist in der Rentenversicherung versicherungsfrei. Entsprechend dürftig ist aber auch seine künftige Altersversorgung. „Die pauschalen Arbeitgeberbeiträge für zwölf Gehälter über jeweils 400 Euro führen lediglich zu einer zusätzlichen monatlichen Rentenanwartschaft von 3,11 Euro“, rechnet Heiko Lenzer, Sozialversicherungsexperte der Allianz, vor. „Ansonsten bewirken die pauschalen Beiträge wenig. So verkürzen sich die Wartezeiten für bestimmte Renten nur anteilig. Beispielsweise können zwölf Monate geringfügige Beschäftigung zu vier Wartezeitmonaten führen. Minijobber, die auf ihre Versicherungsfreiheit verzichten und stattdessen den Arbeitgeberbeitrag aufstocken, stellen sich bei ihrer Versorgung deutlich günstiger.“
 
Die Verbesserungen kosten nicht viel
 
Verzichtet ein Minijobber auf seine Versicherungsfreiheit, muss er lediglich den pauschalen Rentenversicherungsbeitrag des Arbeitgebers von 15 Prozent auf den normalen Beitragssatz von aktuell 19,6 Prozent aufstocken. Für einen monatlichen Mehraufwand von 18,40 Euro (4,6 Prozent aus 400 Euro) wird der Minijob als Pflichtbeitragszeit in der gesetzlichen Rentenversicherung voll angerechnet. Das sichert dem Arbeitnehmer die Anwartschaft auf eine Erwerbsminderungsrente. Außerdem kann die selbst gewählte Versicherungspflicht hinsichtlich der Wartezeiten sehr interessant sein. So sind für die vorgezogene Altersrente ab 63 insgesamt 35 Jahre Wartezeit notwendig. Für die abschlagsfreie „Altersrente für besonders langjährig Versicherte“, die ab 65 möglich ist, müssen sogar 45 Jahre Wartezeit zusammenkommen. „Insbesondere ältere Minijobber sollten daher zusätzlich prüfen, ob sie diese Fristen erfüllen können, wenn sie ihre Versicherungsfreiheit aktiv aufgeben“, empfiehlt Heiko Lenzer.
 
Ein Arbeitgeber ist gesetzlich verpflichtet, einen Minijobber darauf hinzuweisen, dass er die Beiträge selbst aufstocken kann. Der Arbeitnehmer wiederum muss seine Firma schriftlich informieren, dass er auf seine Versicherungsfreiheit verzichtet und die Beiträge aufstockt. Das gilt dann auch für eventuelle weitere Minijobs, die er gleichzeitig ausübt. In Privathaushalt arbeitende Minijobber können auf die Versicherungsfreiheit ebenfalls verzichten und haben dann dieselben Vorteile. Weil private Arbeitgeber für sie aber nur einen pauschalen Rentenbeitrag von 5 Prozent zahlen, ist ihre Aufzahlung mit 14,6 Prozent deutlich höher.
 
Unmittelbare Riester-Förderung nur bei Rentenversicherungspflicht
 
Verzichtet der Minijobber auf seine Versicherungsfreiheit, darf er auch die Riester-Förderung direkt beanspruchen. Das bringt ihm in jedem Jahr 154 Euro Grundzulage und jeweils 185 Euro Kinderzulage. Wurde der Nachwuchs 2008 oder später geboren, steigt die Kinderzulage auf 300 Euro.

Dieser spezielle Zugang zur Riester-Förderung lohnt sich besonders für 400 Euro-Kräfte - die nicht in einem weiteren Arbeitsverhältnis sozialversicherungspflichtig tätig sind - die nicht mit einem bereits „riesternden“ Ehegatten verheiratet sind - die sich nicht in der Elternzeit befinden. In diesen drei Fällen wären sie ansonsten ohnehin Riester-berechtigt.
 
Interessant ist die dargestellte Regelung auch für Ehepaare, bei denen der Ehegatte des Minijobbers nicht zum unmittelbar begünstigten Personenkreis gehört, weil er beispielsweise selbstständig ist. Ein zusätzlicher Riester-Vertrag mit dem jährlichen Mindesteigenbeitrag von 60 Euro sichert diesem Ehegatten dann die Riester-Grundzulage

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